Demokratie und Frieden im Klassenzimmer erleben

SEG-Jahrestagung 2026 am Seminar Rottweil

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Am 9. Oktober 2026 fand die SEG-Jahrestagung am Seminar Rottweil unter dem Thema „Demokratie- und Friedensbildung“ statt. Initiiert wurde die Veranstaltung von Katja Gaißer und Carina Endres, Fachleiterinnen an den Seminaren Rottweil und Bad Mergentheim.
Mit Jennifer Lutz vom Projekt „Safe!“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und Franziska Kuhn von der Servicestelle Friedensbildung Baden-Württemberg waren zwei fachkundige Referentinnen zu Gast. Gemeinsam wurde erkundet, wie Demokratie und Frieden in der Grundschule nicht nur unterrichtet, sondern von Kindern im Alltag erlebt und mitgestaltet werden können.

Demokratie als gelebte Lebensform

Den Auftakt bildete die Frage, wie ein Klassenzimmer des Friedens und der Demokratie aussehen könnte. Die Teilnehmenden sammelten Ideen zu Freiräumen, Austausch, gemeinsamer Entscheidungsfindung und der Vorbildfunktion der Erwachsenen. Deutlich wurde: Demokratie ist mehr als eine Staatsform – sie ist vor allem eine Form des Zusammenlebens.

Im fachlichen Input wurde Demokratiebildung in drei Dimensionen betrachtet: Kinder sollen über Demokratie Bescheid wissen, Demokratie durch Mitbestimmung im Alltag erleben und Fähigkeiten entwickeln, um sich für Demokratie einzusetzen. Ein zentraler Grundsatz lautete dabei: Beteiligung muss echt sein. Kinder sollen wissen, worüber sie mitentscheiden dürfen und wo Grenzen liegen – denn Transparenz ist wichtiger als eine bloße Scheinbeteiligung.

Frieden beginnt im Miteinander

Der zweite Schwerpunkt widmete sich der Friedensbildung. Frieden wurde dabei nicht allein als Abwesenheit von Krieg verstanden, sondern als positives Miteinander, in dem Bedürfnisse, Talente und ein respektvoller Umgang miteinander Platz haben.

Besonders anschaulich wurde das Thema anhand von Konflikten: Diese sind nicht grundsätzlich negativ, sondern können zu wertvollen Lerngelegenheiten werden. Entscheidend ist, wie sie bearbeitet werden.

Gemeinsam essen und austauschen

In der Mittagspause bot ein gemeinsames Essen Gelegenheit, sich auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und die Eindrücke aus den Workshops und Fachimpulsen miteinander zu besprechen.

Praxisnahe Workshops

Am Nachmittag wurden zwei Workshops mit konkrete Umsetzungsideen für die Grundschule vorgestellt.

Das Projekt „Safe!“ ermöglicht Kindern eine mehrteilige Projektwoche rund um Mitbestimmung, Wahlen, Grundrechte und gemeinschaftliches Handeln. Die Kinder entwickeln eigene Ideen, bilden „Parteien“, gestalten Wahlkampagnen und führen eine Wahl durch. Am Ende präsentieren sie ihre Ergebnisse im Rathaus und setzen ein gemeinsames Vorhaben um.

Im Workshop „Sei (k)ein Esel“ stand eine Bildgeschichte über zwei miteinander verbundene Esel im Mittelpunkt. Kinder beschreiben die Situation, erkennen Gefühle und Bedürfnisse und entwickeln gemeinsam Lösungswege. So lernen sie Schritt für Schritt, Konflikte zu stoppen, zuzuhören und nach Lösungen zu suchen. Ein „Konfliktrucksack“ hilft ihnen dabei, hilfreiche Strategien für den Schulalltag zu sammeln.

Ein ermutigender Blick auf die Praxis

Die Jahrestagung machte deutlich, dass Demokratie- und Friedensbildung eng zusammengehören: Beide setzen bei der Wertschätzung von Kindern, bei transparenten Regeln und bei der Möglichkeit an, Verantwortung zu übernehmen. Zugleich wurde deutlich, dass in vielen Grundschulen bereits viel gelingt – von Klassenräten über Mitbestimmungsprojekte bis hin zur konstruktiven Konfliktbearbeitung. Der gemeinsame Impuls lautete daher: Weitermachen, vorhandene Ansätze sichtbar machen und Demokratie sowie Frieden im Alltag erlebbar werden lassen.

Matthias Meyenburg